»Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.«
Antoine de Saint-Exupéry
Liebe Leser:innen,
der Sommer ist da und mit ihm ein Heft über Tod und Trauer. Ungewöhnlich? Vielleicht. Zufällig? Nein. Die Entscheidung, dieses schwere Thema nicht wie gewohnt in die dunkle Jahreszeit zu legen, trafen wir bewusst. Damit setzen wir eine Botschaft um, die uns Autor:innen der vorliegenden Ausgabe ans Herz legten: Lasst uns schwierige Themen in guten Zeiten angehen und nicht erst, wenn der traurige Ernstfall eingetreten ist und uns den Boden unter den Füßen wegzieht.
Obwohl wir wissen, dass das Leben auch vor pädagogischen Fachkräften nicht Halt macht, kommt »der traurige Ernstfall«, wie die Expertin für Trauerpädagogik Margit Franz diese vielleicht erschütterndste aller menschlichen Erfahrungen nennt, immer überraschend. Kitaleitungen wie Stefanie de Grave in Ostfriesland und Michael Warnat in Sachsen folgten unserer Einladung und berichten über Verluste und Trauerprozesse – sowohl in den Familien der Kinder als auch im Team. Sie beschreiben, wie unterschiedlich Trauer er- und durchlebt wird und wie wichtig es ist, solche existenziellen Prozesse gemeinsam zu bewältigen.
Trauer ist nichts, das »professionell ausgeblendet« werden kann oder sollte. Im Gespräch mit der Filmemacherin Steffi Thon und dem Bestatter Eric Wrede wird deutlich, dass jede Form von Verlust betrauert werden möchte. Trauer lässt uns menschlich reifen und stärkt unsere Resilienz. Sie ist kein Defizit, sondern ein Prozess, der uns lehrt, Erinnerungen an Schönes zu bewahren und in Neues hineinzuwachsen. Dabei können wir – wieder einmal – viel von Kindern lernen. Sie trauern anders als wir.
Kinder wechseln zwischen Spiel und Schmerz. Es fällt ihnen leichter, sich Pausen zu erlauben. Oft ist die Kita dafür der beste, weil verlässlichste Ort. Ihre direkten Fragen – »fault der Opa jetzt?« – mögen uns herausfordern. Zugleich laden sie uns ein, die eigenen Vorstellungen von Trauer zu hinterfragen. Vielleicht ist wirklich genau jetzt der richtige Zeitpunkt, sich dem Thema mit offenem Herzen, fachlichem Blick und einer Prise Mut zuzuwenden. Denn das Leben besteht nicht nur aus Leichtigkeit – aber es wird tiefer, wenn wir das Schwere gemeinsam tragen.
Ihr Redaktionsteam von Betrifft KINDER



