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Zukunft gestalten mit Werkstattpädagogik
Was sind Zukunftskompetenzen und wie können Kinder sie in einer Werkstattkita erwerben? Dieser Frage geht die Bildungsreferentin Christel van Dieken im folgenden Text nach und beschreibt kreative Beispiele und Interventionen dazu aus der Kitapraxis.
Vor Kurzem besuchte ich mit einer Kollegin eine Kita. Sie hatte mich überzeugt, dass wir unbedingt gemeinsam dorthin fahren müssten, weil sie begeistert war, was sie dort bei einer Fortbildung wahrgenommen, gesehen und gehört hatte. Wir haben uns dann verzaubern lassen von einer Kita, in der wir – im Jahr 2025 – entspannte Pädagog:innen vorgefunden haben, die mit leuchtenden Augen von ihrer Arbeit berichteten. Und wie immer in guten Werkstattkitas war dort eine wuselige Atmosphäre, in der wir kleine Gruppen von Kindern beobachten konnten, die offensichtlich mit etwas beschäftigt waren, was sie sehr interessierte und erfreute. In der Holz- und Naturwerkstatt z.B. zeigte uns ein Kind das Modell einer Wohnung, die es mit einer Gruppe von Kindern aus Pappe gebaut hatte. Da gab es sogar eine selbst entworfene kleine Seilbahn, die eine:n von einem Raum zum anderen bringen konnte. Und man konnte in dem Wohnmodell vieles erkennen, was Kinder sich für ihre Umgebung wünschen. Möglich geworden war das, weil es dort interessante Materialien gab, die die Kinder zum Bauen dieses Modells angeregt hatten. So flossen ihre Träume und Ideen ein. Jetzt stand das Modell dort und wurde mir als Besucherin stolz gezeigt und erklärt.
Mit Future Skills Gegenwart und Zukunft gestalten
Die Kinder, die an diesem selbst gewählten und entwickelten Wohnungsbauprojekt beteiligt waren, entwickelten dabei für sie wichtige Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, kritisches Denken, Selbstwirksamkeit und Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft. Sie alle waren für dieses Projekt erforderlich, wurden geübt und so gelernt. Zuversicht in die eigene Gestaltungskraft ist essenziell für ein selbstbestimmtes Leben, heute und in Zukunft. Sie fördert Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz, weil das Kind lernt, dass Scheitern ein Teil des Prozesses ist – es darf ausprobieren und experimentieren, bis etwas funktioniert. Denn zu diesem Prozess des Wohnungsbaus gehörte auch, dass die Umsetzung von Ideen während des Prozesses nicht so klappte wie beabsichtigt und man immer wieder einen neuen Weg finden musste.
Diese Kategorisierung von Zukunftskompetenzen findet man im Denkmodell der »Future Skills«. Sie bezeichnen Kompetenzen, die Menschen benötigen, um aktiv ihre Gegenwart und ihre Zukunft zu gestalten. Nele Hirsch, die Leiterin des eBildungslabors in Hamburg, beschreibt drei wichtige Komponenten davon: »[Die] Future Skills sind erstens getragen von der Auffassung, dass es möglich ist, eine positive, gute, lebenswerte Zukunft für alle zu gestalten. Es geht zweitens um ein Denken in Möglichkeiten. Das bedeutet also, dass vielleicht jetzt viele Menschen oder wir insgesamt als Menschheit noch nicht über die entsprechenden Kompetenzen verfügen, aber dass wir grundsätzlich lernfähig sind, also dass wir sie erreichen können. Und drittens geht es dann um Kollaboration, was bedeutet: Wir können dann vorankommen, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen, wenn wir uns austauschen, wenn wir von- und miteinander lernen.«1
Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Wertschätzung spielt bei den Zukunftskompetenzen eine grundlegende Rolle. Sie ist für das spätere Leben der Motor, der hilft, daran zu glauben, dass das, was ich tue, eine Wirkung hat. Das wiederum führt dazu, dass ich einen Sinn sehe in dem, was ich tue. Beides ist ausgesprochen wichtig in unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation. Die Demokratie ist bedroht, und für ihren Erhalt und ihre Weiterentwicklung brauchen wir Menschen, die das Vertrauen und Zutrauen in sich haben, dass sie mit ihrem Tun etwas bewirken können. Menschen, die nicht resignieren aufgrund der vielen Herausforderungen und Bedrohungen, die wir aktuell erleben, sondern die Zuversicht haben in ihre eigene Gestaltungskraft. »Future skills machen uns zukunftsfit. Sie sind unsere wertvollsten Reisebegleiter in eine persönlich bis gesamtgesellschaftlich nachhaltige Zukunft. Erschließen wir das Universum der Future Skills und wir werden zu verantwortungsbewussten und wirkmächtigen Mitgestalter:innen auf diesem Planeten.«2
Tipps zur Vertiefung Schauen Sie sich den kostenlosen Film »Die 100 Sprachen der Kinder« auf www.waterkant-academy.com an, stöbern Sie durch den Youtube-Kanal von Christel van Dieken oder nutzen Sie unsere Onlinekurse und Fachtagungen, die wir gern für Sie organisieren (Waterkant on Tour). Sie können uns auch für einen Fachvortrag buchen, um sich weiter zu informieren.
Dipl.-Pädagogin Christel van Dieken, langjährige Leiterin der Waterkant Academy Hamburg, Begründerin des Konzeptes der Waterkant Werkstattpädagogik, Entwicklerin einer Online-Lernplattform für Werkstattpädagogik, Organisationsberaterin von Kitas, Autorin, Filmemacherin.
Kontakt
Bilder: Kita Apfelwiese Bollingen, Julian van Dieken, Christel van Dieken



